Gemeinde Teutschenthal

Vom Bauern- bis zum Dorfteich: Eisdorfs verschwundene Gewässer

Die Verfügbarkeit von Wasser ist seit frühester Zeit eine Grundvoraussetzung für die Besiedlung. Neben Bächen und Quellen bildeten daher auch Teiche bevorzugte Orte für Siedlungen.

Obwohl der Würdebach bereits reichlich Frischwasser lieferte, spielten Teiche auch bei der mittelalterlichen Gründung Eisdorfs eine wichtige Rolle. Die ursprüngliche Funktion der Dorfteiche als Trinkwasserquelle und zur Fischzucht wandelte sich im Laufe der Neuzeit: Sie dienten nun vor allem als Viehtränke und Pferdeschwemme. Im Winter wurde Natureis aus den Teichen geschnitten, um es in den örtlichen Eiskellern einzulagern und damit verderbliche Waren in der warmen Jahreszeit zu kühlen. Bis zur Installation von Hydranten nutzte man die Kleingewässer zudem als Löschwasserteiche. Aufgrund ihrer Nähe zum Ortskern konnte das Wasser im Brandfall zunächst mit Eimerketten, später mithilfe von Pumpen, an nahezu jeden Punkt des Dorfes gebracht werden.

Von den historisch nachweisbaren Weihern im Ort hat sich leider keiner bis in die Gegenwart erhalten. Das Kartenmaterial des 18. und 19. Jahrhunderts vermittelt auch zu den Eisdorfer Teichen ein zeitgenössisches Bild und gibt Aufschluss über ihre Lage und Größe. Der ehemalige Mühlteich, der urkundlich nachweisbar mindestens seit dem frühen 17. Jahrhundert eine Wassermühle am südöstlichen Ortsrand der alten Dorflage speiste, ist heute nur noch anhand einer Senke im Hof der Bennstedter Straße 18 zu erahnen. Wie fast alle Gebäude des zugehörigen Mühlengehöfts ist auch der Teich heute längst verschwunden. Eine historische Fotografie belegt, dass er noch am Anfang des 20. Jahrhunderts existierte (Abb. 1).

Der Bauernteich, der sich auf der westlichen Seite entlang der heutigen „Straße des Friedens“ erstreckte, ist im Schmettauschen Kartenwerk in besonders großzügiger Ausdehnung dargestellt (Abb. 2). Die Bezeichnung weist darauf hin, dass das Gewässer von den hiesigen Bauern frei genutzt werden durfte. Auch wenn der Bauernteich den Dimensionen der Karte des 18. Jahrhunderts auf den knapp 100 Jahre jüngeren Preußischen Urmesstischblättern (Abb. 3) nicht mehr gerecht wird, muss er dennoch groß genug gewesen sein, dass er der mündlichen Überlieferung zufolge zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Familie Einführ noch mit einem kleinen Fischerboot befahren werden konnte. Ob die Verkleinerung der Wasserfläche auf natürliche Ursachen, menschliche Eingriffe oder eine Übertreibung des Kartografen zurückzuführen ist, lässt sich heute nicht mehr entscheiden.

Aus unbekannten Gründen wurde der Bauernteich noch vor dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet. Auf dem trockengelegten Gelände entstanden in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Einfamilienhäuser. Die dahinterliegende Flur, die als „Hinter dem Bauernteich“ überliefert ist, wurde erst in jüngerer Zeit mit einem modernen Wohngebiet bebaut. Ein Flutgraben mit Zufluss zur Würde inmitten einer schmalen Grünfläche ist heute alles, was noch an diesen einst größten Weiher im Ort erinnert. Nach der politischen Wende in den 1990er Jahren wurde die inzwischen verwilderte Fläche parkähnlich umgestaltet (Abb. 4). Folgt man dem Dorfgrundriss von 1848, deuten sich am südlichen Rand des historischen Dorfkerns zwei weitere kleine Weiher an. Ihre Nähe zu den angrenzenden Gutshöfen lässt vermuten, dass auch sie als Bauernteiche genutzt wurden (Abb. 5).

Das Gewässer, das vielen Einwohnern noch aus ihrer Kindheit oder Jugend in Erinnerung ist, lag hinter dem Feuerwehrgebäude (Abb. 6). Dort, wo sich heute Kinder auf einem Spielplatz austoben und sich die Bevölkerung alljährlich zum Fackelumzug versammelt, konnte man bis in die 1970er Jahre angeln und im Winter Schlittschuh laufen. Im Gegensatz zum großen Bauernteich erscheint dieses deutlich kleinere Stillgewässer auf Karten des 18. Jahrhunderts nicht. Das könnte jedoch an der eher groben Darstellung des Kartografen liegen, wie sich bereits bei der Wiedergabe des Würdebachverlaufs zeigt.

Jüngere Dorfgrundrisse belegen, dass es sich bei diesem Weiher um einen sogenannten Quellteich beziehungsweise eine Limnokrene gehandelt haben muss. Auf alten Skizzen liegt der Dorfteich am Anfang eines Bachlaufs, der sich wenige hundert Meter weiter nördlich mit der Würde vereinigt. Solche Quellbäche entstehen, wenn Wasser aus einer Quelle in einer Mulde austritt und ständig nachfließt. Es handelte sich also um einen natürlichen Quellteich und nicht um eine künstlich angelegte Anlage. Die Uferzonen wurden erst später befestigt, damit Pferde und andere Zugtiere nach der Arbeit gesäubert und getränkt werden konnten. Im Sommer kühlte man die erhitzten Tiere im Wasser ab. Auch ganze Fuhrwerke konnten über eine flache Zufahrt durch den Teich gefahren und dabei gereinigt werden.

In der Zeit der DDR wurde der Weiher zunehmend vernachlässigt. Anfang der 1970er Jahre gab es Pläne, die inzwischen unsicheren Uferbereiche mit L-förmigen Betonelementen zu sichern. Die Bauteile für dieses Vorhaben lagen bereits vor Ort bereit (Abb. 7), verschwanden jedoch in einer „Nacht- und Nebelaktion“. Schließlich wurde der Teich im Jahr 1974 mit Abbruchresten der ehemaligen „Rothen Scheune“ verfüllt.

Im Vorfeld der 900-Jahrfeier gab es Überlegungen, dieses malerische Stück Dorfidylle wiederherzustellen. Angesichts der hohen Kosten und der kurzen Vorbereitungszeit ließ sich das Vorhaben jedoch nicht umsetzen. Vielleicht wird dieses Projekt eines Tages für nachfolgende Generationen wieder interessant – zum Beispiel anlässlich eines 1000-jährigen Ortsjubiläums.

 

Mike Leske (Stand: 25.01.2026)

 

Literatur:

  • Mike Leske, 900 Jahre Eisdorf – Die Geschichte des Ortes von den Anfängen der Besiedlung bis in die Gegenwart (Radebeul 2022).
Abb. 1 Der Eisdorfer Mühlteich um 1900
Abb. 1: Der Eisdorfer Mühlteich um 1900. Foto aus Privatbesitz
Abb. 2: Der Eisdorfer Bauernteich (rot eingekreist) auf dem Schmettauschen Kartenwerk aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Archiv
Abb. 2: Der Eisdorfer Bauernteich (rot eingekreist) auf dem Schmettauschen Kartenwerk aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Archiv
Abb. 3: Der Eisdorfer Bauernteich (rot eingekreist) auf dem Preußischen Urmeßtischblättern aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Archiv
Abb. 3: Der Eisdorfer Bauernteich (rot eingekreist) auf dem Preußischen Urmeßtischblättern aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Archiv
Abb. 4: Die Stelle des einstigen Bauernteiches an der Straße des Friedens ist heute parkähnlich umgestaltet. Foto: Mike Leske
Abb. 4: Die Stelle des einstigen Bauernteiches an der Straße des Friedens ist heute parkähnlich umgestaltet. Foto: Mike Leske
Abb. 5: Die Dorfskizze von Oskar August aus dem Jahr 1848 offenbart neben dem großen Bauernteich die Existenz zweier kleinerer Bauernteiche (rot eingekreist) am südlichen Rand der alten Ortslage (heute entlang der Straße "An der Würde"). Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Archiv
Abb. 5: Die Dorfskizze von Oskar August aus dem Jahr 1848 offenbart neben dem großen Bauernteich die Existenz zweier kleinerer Bauernteiche (rot eingekreist) am südlichen Rand der alten Ortslage (heute entlang der Straße "An der Würde"). Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Archiv
Abb. 6: Der Eisdorfer Dorfteich auf einer Fotokarte, gel. 1956[Verlag: Kunstanstalt R. Leiter, Halle/Saale – 9,0 x 14,0 cm], Sammlung Mike Leske
Abb. 6: Der Eisdorfer Dorfteich auf einer Fotokarte, gel. 1956[Verlag: Kunstanstalt R. Leiter, Halle/Saale – 9,0 x 14,0 cm], Sammlung Mike Leske
Abb. 7: Mit diesen L-förmigen Betonprofilen sollten die Uferzonen des Eisdorfer Dorfteiches am Anfang der 1970er Jahre erneuert werden. Da die Bauteile auf ungeklärte Weise verschwunden waren, wurde der Teich in der Folge zugeschüttet. Foto: Sammlung Mike Leske
Abb. 7: Mit diesen L-förmigen Betonprofilen sollten die Uferzonen des Eisdorfer Dorfteiches am Anfang der 1970er Jahre erneuert werden. Da die Bauteile auf ungeklärte Weise verschwunden waren, wurde der Teich in der Folge zugeschüttet. Foto: Sammlung Mike Leske